Gruppenabende
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Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe
Zwölf
Menschen sitzen im Kreis. Ihre Lebenssituationen sind sehr
unterschiedlich - und doch haben sie letztlich ein und dasselbe
Problem. Da ist Christian, der sich um eine neue Stelle bewerben will
und nicht weiß, ob und wie er seine Alkoholkrankheit ansprechen
soll. Familienvater Dieter grübelt darüber nach, wie er
die bevorstehende Konfirmation seiner Tochter gestalten soll - mit
Alkohol für die Gäste oder ganz ohne? Edeltraud, eine junge
Büroangestellte, ist noch nicht lange in der Gruppe; sie wartet
auf einen Therapieplatz in der Fachklinik. Wie soll sie die Wartezeit
“trocken” überstehen? Franz und Ulrike berichten, wie es
ihnen in den vergangenen Tagen ergangen ist; sie hatten in der
letzten Gruppenstunde über ihre Beziehungs- probleme gesprochen.
Wie hilft die
Selbsthilfegruppe?
"Hier hilft nicht einer dem
anderen und der wieder ihm; vielmehr hilft jeder sich selbst und
hilft dadurch dem anderen, sich selbst zu helfen" - so ist das
Prinzip formulierbar, nach dem Hunderte von Sucht-Selbsthilfegruppen
in ganz Deutschland arbeiten. Die Abstinenz vom Suchtmittel ist dabei
das primäre Ziel. Um Hilfe von anderen Betroffenen annehmen zu
können, muss der Alkohlkranke selbst einen entscheidenen Schritt
vollziehen: Es ist die Erkenntnis, dass er dem Alkohol - oder anderen
Suchtmittel - allein machtlos ausgeliefert ist. Er muss sich selbst
helfen wollen und bereit sein, über sich, über persönliche
Anliegen und Sorgen zu reden und anderen zuzuhören und von jenen
zu lernen, die gleiche oder ähnliche Probleme haben. In den
"Freundeskreisen" lernen Betroffene und ihre Familien andere
Suchtkranke kennen, die es schon geschafft haben und die ihnen -
quasi als Modell - Hoffnung machen können. Sie erfahren, warum
das Suchtmittel in ihrem Lebem eine so schicksalhafte Bedeutung
bekommen konnte und wie sie diesen Zustand verändern können.
Es wird meist schnell deutlich, dass die Alkoholabhängigkeit
nicht das alleinige Problem ist, sondern nur ein Hinweis auf tiefer-
liegende Probleme, die man angehen muß, um gesund zu werden.
Diese "Gruppenselbstbehandlung" nutzt die einfachsten und wohl
wichtigsten gesundheitsbildenden Funktionen:
-mit anderen
sprechen
-ihnen zuhören
-sich austauschen
-sich
besinnen, Beziehungen erleben
Die "Freundeskreis"-Mitglieder
treffen sich nicht nur zu den Gruppenstunden, sie verbringen auch
einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam: Wandern, Feiern, Spielen - man
lernt miteinander, Freizeit und Geselligkeit ohne Alkohol zu
gestalten.
Für wen gibt es
Selbsthilfegruppen?
Die Freundeskreise für
Suchtkrankenhilfe wenden sich mit ihren Angeboten an Alkohol- und
Medikamentenabhängige. In immer mehr Gruppen finden
Spielsüchtige und Eß- und Brechsüch- tige
Ansprechpartner für ihr Problem. Weil Sucht eine
Familienerkrankung ist, sind Angehörige selbstverständlich
in die Selbsthilfe miteinbezogen: Ehepartner und Kinder finden in der
Gruppe Hilfe, ihre Rolle als C-Abhängige zu erkennen und zu
überwinden.
Wie ist der Weg in die
Abstinenz zu schaffen?
Es gibt Betroffene, die eine
ambulante Therapie machen, andere benötigen eine stationäre
Behandlung, um ihre Probleme in den Griff zu kriegen. Immer mehr
Betroffene jedoch finden heute den Weg zur Abstinenz durch eine
Selbsthilfegruppe. Fest steht und dies haben wissen- schaftliche
Untersuchungen bestätigt: Der Anschluß an eine Gruppe
erhöht die Wahr- scheinlichkeit, einen Rückfall zu
vermeiden und abstinent zu bleiben. "Freundeskreise" versteh- en
sich deshalb als unverzichtbarer Bestandteil im Behandlungsverbund
der Suchtkrankenhilfe, der auf den drei Säulen Beratungsstelle -
Fachklinik - Selbsthilfegruppe steht. Die Selbsthilfegruppe fördert
entscheidend die Integration der Betroffenen in ihr soziales Umfeld -
eine unabdingbare Voraussetzung zur Genesung von Suchtkranken.